Steuerflucht

FATCA-Initiativen von EU und G20 drohen die Banken als „internationale Finanzämter“ zu überfordern

Frankfurt, 25. April 2013 – Innerhalb weniger Tage haben sich sowohl die sechs größten EU-Länder als auch die G20-Staaten darauf verständigt, den automatischen Austausch steuerrelevanter Kontodaten zu verschärfen, um der Steuerflucht einen weiteren Riegel vorzuschieben.

Damit entpuppt sich die nach dem bilateralen FATCA-Abkommen zwischen Deutschland und den USA bei den hiesigen Banken eingekehrte Entspannung als trügerische Ruhe. Um den neuen von der Politik formulierten Anforderungen gerecht zu werden, müssen die Banken nun massiv personelle und finanzielle Ressourcen auf steuerliche Themen umschichten. Dies zeigt eine aktuelle Marktbeobachtung der Unternehmensberatung Cofinpro.

„Mit der G20-Initiative und der anstehenden Verschärfung der EU-Zinsrichtlinie wird die Menge der Daten, die es künftig aufzubereiten und an die nationalen Steuerbehörden zu melden gilt, enorm anwachsen“, sagt Alexandra Pirmann, FATCA-Expertin bei Cofinpro. „Hinzu kommt eine Komplexitätsexplosion. Allein die die zu erwartende Verschärfung der EU-Zinsrichtlinie sowie deren Ausweitung auf Drittstaaten wird dazu führen, dass der Kreis der betroffenen Kunden, die Zahl der relevanten Einkünfte sowie die weiteren Rahmenbedingungen der einzelnen steuerlichen Meldungen mitunter stark variieren.“

Obwohl die Meldeprozesse für US-FATCA, die neue EU-Zinsrichtlinie sowie mögliche Drittstaatenabkommen auf den ersten Blick recht identisch aussehen, müssen die Banken also parallel für jedes System die einzelnen Prozessschritte unterschiedlich definieren. Die zu erwartenden ständigen Änderungen innerhalb der verschiedenen Steuerabkommen erfordern von den hinter den Meldeprozessen liegenden IT-Systemen darüber hinaus eine zusätzliche Flexibilität. „Die Banken müssen die Prüfmechanismen, welche Kunden aus ihrem Kundenstamm betroffen sind, nicht nur einmalig umsetzen, sondern diese regelmäßig prüfen, anpassen und pflegen“, merkt Beraterin Pirmann an.

Der mit den jüngsten politischen Entscheidungen zum Kampf gegen die Steuerflucht ausgelöste technische und organisatorische Aufwand wird auch die Etats der Banken spürbar belasten. So hatten Experten einst die Kosten der FATCA-Einführung mit bis zu 15 Millionen Euro pro Bank beziffert. „Die Verpflichtung der Banken als Erfüllungsgehilfen der Finanzbehörden zu agieren, erzeugt also Kosten, ohne auch nur einen Euro zum Ertrag beizusteuern. Daher ist es umso wichtiger, durch eine intelligente Lösung ständige Folgekosten zu vermeiden“, rät Cofinpro-Expertin Pirmann. „FATCA & Co. werden sonst zu einem Fass ohne Boden.“